Frank Herkommer, Opernnetz.de, 18. März 2008
[...] Intendant Ulrich Peters hebt einen musikalischen Schatz, und Regisseur Thomas Wünsch poliert dieses oft unbeachtete Juwel auf Hochglanz. [...] Neben dem strukturellen Terror, der jederzeit umschlagen kann im nackte Gewalt, Francesco als dessen Inkarnation, auf der anderen Seite der anarchistische Terror unter der schwarzen Fahne, Carlo und seine Bande, der kaputt macht, was ihn kaputtmacht. Für den gänzlich skrupellosen Mord steht stellvertretend Rolla, dessen Charakter, so nicht im Libretto, Wünsch aus der Schillerschen Vorlage reaktiviert. Damit problematisiert der Regisseur geschickt den Einsatz von Gewalt und die Gefahr, sie zum Selbstzweck und Automatismus, zum puren Ausfluss thymotischer Spannungen werden zu lassen. Damit nicht genug. Wenn Massiliano etwa im Wahnsinn die Handpuppen tanzen lässt, hat dies in der Psychogrammerstellung Shakespearsche Dimensionen.
Kongenial das Bühnenbild und die Kostüme von Heiko Mönnich. Die Stahlträger des World Trade Centers, von der Hitze verbogen und gespreizt, die verbrannte Erde, die abgebrochenen Finger der Statue of liberty mit der Tafel, zu Boden geschmettert wie im göttlichen Zorn die Tafeln des Dekalogs damals am Sinai, der 4. Juli 1776 eingraviert. Jeffersons Unabhängigkeitserklärung mit dessen „selbstverständlichen Wahrheiten“ liegen am Boden. [...] Das Orchester unter Leitung von Henrik Nánási vereinigt den Furor teutonicus mit der grandiosen Italianità Verdis. [...] Die stimmliche Besetzung ein ausgesprochener Glücksfall. [...] Die Vorstellung bekommt ebenfalls, was sie verdient: Ein sachkundiges und begeisterungsfähiges Publikum, das die Stimmen würdigen, die Musik genießen, sich mit den Beteiligten über diesen Erfolg freuen kann. Bereit, sich auf einen anstrengenden Diskurs einzulassen. [...]