Die lustigen Weiber von Windsor

Komisch-phantastische Oper in drei Aufzügen von Otto Nicolai nach der gleichnamigen Komödie von William Shakespeare
Wednesday, 27. February 2008
19:30 – 22:40
Familienermäßigung




Musikalische Leitung Andreas Kowalewitz

Regie Julia Riegel

Bühnenbild Caroline Neven Du Mont

Kostüme Caroline Neven Du Mont

Choreographische Beratung Fiona Copley

Der Schwerenöter Sir John Falstaff hat Geldsorgen. Also beschließt er, Frau Fluth und Frau Reich, zwei reichen Bürgersfrauen der Stadt, gleichzeitig den Hof zu machen. Beide erhalten von ihm gleich lautende Liebesbriefe, in denen er um ein Rendezvous bittet. Die Damen zeigen zwar moralische Entrüstung, gehen aber auf Falstaffs Avancen ein – allerdings nur, um ihm den Appetit gründlich zu verderben. Und da die beiden dem Saufbold an Raffinesse weit überlegen sind, führen sie ihn kräftig an der Nase herum und machen ihn zum allgemeinen Gespött. Nebenbei erteilen sie ihren Ehemännern eine kräftige Lektion über grundlose Eifersucht.

In der komisch-phantastischen Oper, die als einziges von Nicolais Bühnenwerken bis heute regelmäßig aufgeführt wird, wollen alle etwas anderes: der altgewordene Weiberheld Falstaff mit Hilfe nur eines Liebesbriefes die Liebe gleich zweier Frauen, diese beiden – Frau Reich und Frau Fluth – Rache für seine plumpen Annäherungsversuche und ein wenig Abwechslung von ihrem Hausfrauenalltag, Herr Fluth einen Beweis für seine Eifersucht auf einen angeblichen Liebhaber seiner Gattin, Herr und Frau Reich jeweils einen anderen Ehemann für ihre Tochter... Inmitten dieses Reigens von Verkleidungen und Verwechslungen, Eifersüchteleien und heimlichen Intrigen darf natürlich auch die Liebe nicht zu kurz kommen. Und so gelingt es der jungen Anna Reich im furiosen Finale, die Pläne ihrer Eltern noch einmal richtig zu durchkreuzen.

Julia Riegel: »Otto Nicolais Oper DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR erzählt auf sehr liebevolle, verspielte Art vom Kampf zwischen Mann und Frau. Nicolai zeigt sich – genauso wie Shakespeare in seinem gleichnamigen Stück – dabei überraschend solidarisch mit dem sogenannten schwachen Geschlecht. So bleibt zu untersuchen, was stark und was schwach, was männlich und was weiblich ist. Und wenn man bedenkt, daß bei Shakespeare die Frauenrollen von Männern gespielt wurden, die Oper wiederum eine Schwäche für Hosenrollen entwickelt hat, so muß daraus eine Komödie werden!«

»The Merry Wives of Windsor«, 1597 von Shakespeare geschrieben, war das Ergebnis einer langen Suche nach einem geeigneten Stoff für eine deutsche Oper, die Otto Nicolai in den 1840er Jahren zu schreiben gedachte. Als er 1847 seine Stelle als Kapellmeister am Königlichen Theater und als Domkapellmeister in Berlin antrat, begann er mit der Komposition seiner LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR (Libretto: Salomon Hermann Ritter von Mosenthal). Er war nicht der erste und sollte auch nicht der letzte bleiben, der sich mit diesem Stoff auseinandersetzte. Der anfänglich schwere Start, den sein Werk auf der Bühne hatte, wurde durch Verdis späteren FALSTAFF (1893) nicht gerade gefördert. Doch konnte sich einzig dieses Werk des Komponisten bis ins heutige Repertoire retten, was wohl vor allem Nicolais sicherer Beherrschung des Orchesters zuzuschreiben ist. Die Instrumentierung ist feinsinnig und effektvoll. Sie gibt Personen, Orten und Situationen ein jeweils eigenes Kolorit. Nicolai bewegt sich in der Tradition des Singspiels oder der Opéra-comique mit gesprochenen Dialogen, in der er eine überzeugende Synthese zwischen italienischem Belcanto und dem Konversationsstil der deutschen Oper schafft.